Die Geschichte der Hackher-Kaserne

Das Gelände der heutigen Kaserne am Ufer der Mur wurde erstmals im Jahre 1940 von der Deutschen Wehrmacht als Lagerplatz für Pioniergerät und als Pionier-Wasserübungsplatz Gratkorn verwendet. Zu dieser Zeit entstanden insgesamt 16 Objekte, von denen viele heute noch stehen und in Verwendung sind.

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Pionier-Wasserübungsplatz Gratkorn (1940 – 1945), Hackher-Kaserne (1971 – heute) Foto: Bundesheer/Martin Rieder
Bericht über "Die Geschichte der Hackher-Kaserne" aus der Gratkorn aktuell vom Juli 2022
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Nach dem II. Weltkrieg wurde das Gelände für einige Jahre von der Steiermärkischen Landesregierung als Betriebsstätte genutzt und kam 1955 in Bundesbesitz.

 

1962 wurde mit der Planung einer modernen Kaserne begonnen, vier Jahre später begannen die Bauarbeiten. Wegen einiger Verzögerungen bei den Bauarbeiten, unter anderem wegen des Jahrhundert-Hochwassers 1966, konnte die Kaserne erst 1971 bezogen werden. Die offizielle Übergabe erfolgte am 26. Oktober 1971, die Baukosten betrugen damals 55 Millionen Schilling. Als erster Verband nach der Eröffnung 1971 zog hier die I. Abteilung des Artillerieregimentes 2 und Teile des Ausbildungsregimentes 10 ein.

 

Doch damit waren die Bauarbeiten noch lange nicht beendet, Straßen und Grünflächen mussten angelegt werden, eine Tankanlage, ein Kfz-Waschplatz und eine Munitionskastenanlage wurden errichtet. Bis in die frühen 80er-Jahre folgten ein Sportplatz und eine Hindernisbahn im Osten der Kaserne. In den Jahren 1984 – 1985 wurden im Bereich der bis heute genutzten Lager aus dem 3. Reich eine moderne Panzerwerkstätte und von 2000 – 2002 vier moderne Wartungsboxen für die Kompanien errichtet.

 

Im Juni 1978 wurde das Artillerieregiment 2 in Korpsartilleriebataillon 2 umbenannt, fünf Jahre später erfolgte die Umgliederung in das Panzerartilleriebataillon 4. Im Februar 1984 trafen die ersten Panzerhaubitzen M109 A2 in Gratkorn ein, die bis zur Auflösung des Artillerieverbandes im Jahr 1998 hier stationiert waren und für die eigens die große Werkstättenhalle gebaut wurde. 1998 bis 2006 war das Aufklärungsregiment 1 bzw. das Aufklärungsbataillon 1 in der Kaserne disloziert. Seit 2006 ist das Versorgungsregiment 1 in der Hackher-Kaserne disloziert.

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Eine weitere Besonderheit der Kaserne ist die in Form eines umgekehrten Schiffes errichtete Sporthalle, die durch den HSV Gratkorn finanziert und nach dem damaligen Präsidenten des HSV, dem Eis- und Stocksporturgestein Hans-Jürgen Lenert, „Lenert-Halle“ benannt wurde. Foto: Bundesheer/Martin Rieder. Foto: www.domico.at

Franz Xaver Edler Hackher zu Hart ist der Namensgeber der Kaserne


Franz Xaver Edler Hackher zu Hart wurde am 13. November 1764 in Wien geboren. Nach Absolvierung einer Ausbildung an der Genie-Akademie von 1785 – 1787 wurde er als Unterleutnant ausgemustert und nahm von 1787 – 1792 am Krieg gegen die Osmanen teil. Nach dessen Ende wurde er zum Oberleutnant und 1796 zum Kapitän im Ingenieurkorps befördert.

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Denkmal für Major Hackher am Grazer Schlossberg von Wilhelm Gösser Foto: stock.adobe.com

Bei der Belagerung von Mantua zeichnete er sich aus und wurde 1801 zum Hauptmann und 1808 zum Major befördert. In dieser Funktion war er 1809 Stadtkommandant von Graz. Seine kluge und tapfere Verteidigung des Grazer Schlossberges im Mai und Juni 1809 gegen die napoleonischen Truppen brachte ihm das Ritterkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens sowie bleibenden Ruhm in Graz. Napoleon hingegen war über die Abwehr seines Angriffs derart erzürnt, dass er im Frieden von Schönbrunn die Schleifung der Festung auf dem Schlossberg verlangte. Nur der Uhrturm und ein Glockenturm konnten von den Grazer Bürgern unter großen finanziellen Opfern gerettet werden. Am Grazer Schlossberg erinnert noch heute ein Hackher-Löwe an seine Kommandoführung. Hackher wurde auf Grund seiner Verdienste 1812 in den Freiherrenstand erhoben und 1813 zum Oberstleutnant befördert.

 

In den folgenden Jahren diente er in der Nordarmee des schwedischen Kronprinzen Karl XIV Johann. Durch seine außerordentlichen militärischen Leistungen erwarb er sich hohe Reputation und wurde mit dem schwedischen Schwertorden ausgezeichnet. Danach wurde er Direktor des mährischen Fortifikationsdistrikts. Im Jahr 1820 wurde er noch zum Oberst befördert und trat Anfang 1826 in den Ruhestand. In seinen letzten Lebensjahren lebte er in Brünn, er starb am 2. September 1837 in Wien.

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Foto: Bundesheer/GREBIEN

Hackher-Kaserne, Kasernstraße 6, 8101 Gratkorn
www.bundesheer.at